Review: Reks - Straight, No Chaser


Statik Selektah - der hier wohl am öftesten vertetene Produzent - ist eine richtige Arbeitsbiene. Vier große Solo-Alben, jede Menge Mixtapes und zwölf innerhalb von weniger als vier Jahren veröffentlichte Collabo-Projekte sprechen eine deutliche Sprache. Vor allem bei den Letzteren gab es ein paar Werke, die einen Hip-Hop-Head auch noch heute glücklich machen. Bei MCs wie Saigon, Termanology, Freeway, Freddie Gibbs oder Action Bronson ist es aber auch kein Wunder. Als ob all das nicht genug wäre, sollten schon bald Bun B, Styles P und Dice Raw (ist der Dude, der auf so ziemlich jeder Platte der Roots vertreten ist) folgen und mit dem DJ aus Lawrence für ein paar Sessions ins Studio gehen. Stillstand ist nicht in Sicht.

Über "den rappenden, eine Kippe nach der anderen rauchenden Wahl-Floridianer" Reks erzählte ich euch ebenfalls einiges. Zuletzt im Rahmen seiner in 2011 erschienenen LP "Rhythmatic Eternal King Supreme" (HIER eine Review dazu lesen und HIER kaufen...es lohnt sich natürlich sehr). Der Mann wird im Sommer zwar 35 Jahre alt...es fühlt sich aber trotzdem manchmal so an, als ob er erst seit höchstens fünf Jahren am Start wäre. Dabei machte er bereits 2001 mit seinem Debüt "Along Came The Chosen" etwas Welle und konnte sogar einen minimalen Chart-Erfolg feiern. Zwei Jahre, ein Album und ein paar EPs später wurde es aber für eine lange Zeit still um ihn (Gründe dafür gab es einige - auch persönlicher Natur)...bis er irgendwann um das Jahr 2008 von Statik Selektah zuhause besucht wurde und sich dazu entschloss, wieder in die Booth zu steigen. Rausgekommen ist dabei "Grey Hairs". Der Rest ist natürlich Geschichte.

Nun schreiben wir das Jahr 2012. Reks war wieder im Studio. Wieder mit seinem DJ-Freund, der diesmal alles produziert hat. Das neue Werk trägt den Titel "Straight, No Chaser", ist seit ein paar Tagen erhältlich (dazu später mehr) und soll den Menschen "uncut, pure, unfiltered music that comes from the heart and penetrates minds" geben. Trotz der eher old-schooligen ein-MC-ein-Producer-Konstellation möchte man progressiv bleiben und statt banaler Nostalgie (siehe zum Beispiel das letzte Album von Bumpy Knuckles und Premo...unfassbar trauriger Scheiß) nach wie vor den Finger am Puls der Zeit haben. Lobenswerte Einstellung und jetzt bleibt die Frage offen, ob das Versprechen gehalten wurde. Die Antwort darauf anbei.

Produktion: 8/10 - Statik Selektah ist - wie bereits anfangs angesprochen - sehr produktiv. Aus diesem Grund muss er sich hin und wieder mit "quantity-over-quality-Vorwürfen" herumschlagen. Zugegeben, ab und zu lässt er sich tatsächlich mit leicht banalen Instrumentals erwischen...alles in allem ist der Dude jedoch weltklasse, stellt mit seinem Sampler teilweise sehr unglaubliche Sachen an und weiß zudem, was der jeweilige Spitter braucht. Besonders gut scheint er sich mit Reks' Geschmack auszukennen...die hier bereitgestellten Bretter passen nämlich wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Es wird sehr viel mit geflippten Piano-Kompositionen gearbeitet, die Drumsets sind eher unkompliziert (was ich in diesem Fall gut finde) und so entsteht eine melodische und zusammenhängende Neo-Boom-Bap-Mischung, die zwar alles andere als nur einfaches "Boom-Tschak im Hintergrund" ist, trotzdem aber ohne starke Präsenz am Mic nicht auskommt. Finde ich gut, weil die Sache technisch guten Rap erfordert und Wackness entlarvt.

Lyrics/Themenvielfalt: 8.5/10 - Wer Reks kennt, wird wissen, dass er schon immer großes Verlangen danach hatte, die sozialen Missstände zu thematisieren. Auf "Straight, No Chaser" ist es nicht anders. "Parenthood" beschäftigt sich beispielweise mit dem in urbanen Millieus durchaus oft gesehenen Problem der Eltern, die für ihre Kinder nicht da sind. Egal ob Väter, die das Familienhaus verlassen, oder Mütter, die ihre Pflichten vernachlässigen. Was stinkt, wird kritisiert. Der Rapper ist selbst Vater und kann diese Art von Verhalten offensichtlich nicht dulden. Ein weiteres (oft heikles) Thema, das angesprochen wird, sind Beziehungsprobleme. Die Message ist dabei recht einfach: Seid ehrlich...auch wenn die Wahrheit weh tun sollte. "Honesty doesn't always pay, but dishonesty always costs" lautet dabei die Devise. Diese keep-it-real-Attitüde lässt sich hier natürlich auch auf unsere Hip-Hop-Gesellschaft übertragen, was so viel bedeutet, dass wacke MCs mal wieder ihr Fett weg bekommen. Allgemein gesprochen passiert inhaltlich einiges und alle Hörer, die auf Ehrlichkeit und Anständigkeit stehen, werden mit diesen Tugenden belohnt.

Flow/Reime/Delivery: 8.5/10 - Gehen wird doch mal der Reihe nach: Der Flow von Reks hat sich seit dem letzten Release natürlich kaum verändert. Es wird nach wie vor sehr souverän und planvoll gespuckt. Die Reimschemen sind meistens methodisch und spätestens nach mehrmaligem Anhören erkennbar. Mal gibt es ganz gewöhnliche Muster, mal wird am Anfang und am Ende der Zeile gereimt, mal kommt ein längeres Kettchen, mal werden innerhalb der Zeile ein, zwei Reimchen dazugepackt. Eminemisch wird es jetzt so gut wie nie...das ist aber auch nicht das Ziel. Der in Lawrence geborene MC weiß, was er tut und das tut er verdammt gut. Die Art und Weise, wie er seine Texte vorträgt hat sich ebenfalls nicht verändert. Von recht ruhig bis bissig - man kriegt das volle Programm. Die zwölf Jahre im Geschäft hört man heraus.

Features: 8/10 - Na gut, Action Bronson, Termanology, Slaine, Kali, Wais P...dieses Line-Up ist natürlich alles andere als überraschend. Die Frage ist jetzt, wie man als Hörer damit umgeht, und was die Jungs alles leisten. Ich selbst bin eher old school und finde es gut, wenn man mit Leuten ins Studio geht, die man auch kennt, und denen man vertraut. Das ist hier nämlich der Fall. Da sie sich zudem alle genau so anstellen, wie man es von ihnen kennt und erwartet, gibt es lediglich einen kleinen Abzug. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, "Straight, No Chaser" wäre ein Projekt, das speziell an die echten Fans gerichtet ist, und da ist dieses In-Group-Denken auch irgendwie nachvollziehbar. Ich habe damit jetzt kein Problem.

Kreativität: 8/10 - Wie es so schön heißt: "Man muss das Rad nicht neu erfinden, nur besser drehen." Genau das machen die beiden Hauptkontrahenten auch. Auf traditionelle Art und Weise gebaute Beats, die aber trotzdem irgendwie modern klingen, unfassbar viele Cuts und Kratzanlagen und ein immer noch sehr hungriger, jedoch erwachsener und nachdenklicher Reks sorgen für eine tolle Mischung aus "back in the day" und "tomorrow is now"...das Erste überwiegt aber ein wenig. Dies ist aber auch eher so gewollt. Teilweise besonders interessante Song-Konzepte (wie beispielweise bei dem nachdenklichen "Sit, Think, Drink", wo es um ungewollte Schwangerschaft geht) verleihen der Sache zudem noch die nötige Würze.

Die besten Tracks: Im Augenblick gefallen mir "Autographs", "Sit, Think, Drink", "Parenthood", "Chasin'" und "Regrets" am besten. Wobei ich bis jetzt noch kein einziges mal nach der Skip-Taste greifen musste.

Tracks, die man vergessen kann: Fehlanzeige.

GESAMT: 8.2/10 - Alles in allem ist "Straight, No Chaser" ein geiles Stück Hip-Hop-Musik geworden. Es gibt zwar keine überdimensionalen Höhepunkte, dafür lässt sich die Platte sehr schön von Anfang bis zum Ende durchhören. Es ist für mich persönlich wohl das erste Album von Reks, dass überhaupt keine Ausfälle hat. Für eingefleischte Anhänger von Showoff Records definitiv ein Pflichtkauf. Ansonsten kann ich es jedem empfehlen, der auf straighten Rap ohne Gimmicks steht (nö, es ist kein Phrasengedresche) und sich nicht sofort auf die (zugegeben simple) musikalische Untermalung fixiert, sondern auf die Inhalte.

Wenn euch meine Empfehlung überzeugt, kauft den Stoff. Zur Auswahl stehen euch mal wieder mehrere Möglichkeiten: Entweder clickt ihr HIER, HIER, HIER oder HIER und holt euch eine CD, oder ihr kauft die Vinyl-Version (HIER, HIER oder HIER). Wer lieber alles digital am Start hat, darf gerne HIER, HIER oder HIER zuschlagen. Egal für welche der drei Möglichkeiten ihr euch entscheidet...das Geld ist gut angelegt und landet bei einem Künstler, der unseren Support verdient. Das muss ich aber wohl niemandem sagen. Der East-Coast-Dauerbrenner ist zu einer Marke geworden, bei der man immer das bekommt, was man verlangt...und man darf hier inzwischen auch unglaublich viel verlangen - eine Seltenheit, würde ich sagen.
"Day or night, seven a week, three sixty five. Original G, underground certified."
Nuff said, over!


P.S. Grammatische Fehler und weitere Nachlässigkeiten möge man mir bitte verzeihen.

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